Hauptmenü
icon_home.gif Home
page_white_text.gif Hypnose
page_white_text.gif Therapie
tree-T.gif  Panikattacken
tree-T.gif  Schmerz-Erkrankungen
tree-T.gif  Psychol. Krebstherapie
tree-L.gif  Alptraum Therapie
page_white_text.gif Bausteine
tree-T.gif  Metaphern
tree-T.gif  Hypno Coaching
tree-L.gif  Bilder
page_white_text.gif Studien
tree-T.gif  Hypnotherapie d. Schizophr.
tree-T.gif  Markenname & Suggestion
tree-L.gif  Kunstschmerztherapie
page_white_text.gif Edition
page_white_text.gif Seminare
tree-T.gif  Seminar-Beschreibungen
tree-T.gif  Nachlesen
tree-L.gif  Referenten
page_white_text.gif Links
icon_community.gif Kontakt

AD(H)S

Seite 9 von 14    « .. 8 | 9 | 10 | 11 .. » 14

IX. Ritalin: Ja oder nein?

Eltern haben für gewöhnlich den Wunsch, ihre Kinder mögen drogenfrei bleiben, und die Kinder machen ihnen dann einen Strich durch die Rechnung. Eine besondere Droge, ein Stimulanz, das im Zusammenhang mit AD(H)S eine bedeutende Rolle spielt, kam als eine Art Nikolausgeschenk in die Welt, denn tatsächlich wurde am Nikolaustag des Jahres 1955 in den Vereinigten Staaten das Ritalin (Wirkstoff Methylphenidat) als Medikament zugelassen.

Was ist Ritalin? Einerseits wird es durch seine Ähnlichkeit mit dem Kokain oft eher als Droge angesehen, denn als Medikament. Diese Unterscheidung ist freilich fragwürdig, und in ihr fällt nur auf die Psychiatrie zurück, was diese selbst praktiziert, nämlich „Medikamente“ von „Drogen“ zu unterscheiden, was im psychischen Feld ebenso unsinnig wie unwissenschaftlich ist, da bewusstseinsverändernde Stoffe (und also auch Psychopharmaka) per definitionem Drogen sind.

Was kann Ritalin? Von manchen Psychiatern wird es seiner neurotrophen Eigenschaften (d.h. durch die Möglichkeit, als Stimulanz zum Dendritenwachstum und so zur Entstehung neuer Nervenverbindungen zu wirken) als bedeutender Hoffnungsträger angesehen. In den Augen anderer gehört Ritalin eher zu sogenannten „kosmetischen“ Psychopharmaka (zu denen man auch „Prozac“ bzw. „Fluctin“ rechnet), und in den Augen dieser Kritiker haftet ihm auch die Ambivalenz des Kosmetischen an, einerseits „wegzuschminken“, andererseits aber auch eine Erscheinung höhen und so erst richtig hervortreten lassen zu können.

Es gibt Arbeiten, die das Hilfreiche der Ritalin-Medikation ein bisschen zu ausschweifend betonen, und andere, die der Dominanz medikamentöser Behandlung durch wirksame psychotherapeutische Verfahren entgegen wirken wollen (etwa Lauth und Schlottke 2002). Andererseits scheint Ritalin eine mitunter leistungssteigernde Wirkung zu haben, jedenfalls, wenn man den Berichten glaubt, nach denen ein nicht geringer Prozentsatz amerikanischer Studenten das Lernverhalten bereits an das Einwerfen von Methylphenidat andockt. Diese Studenten erleben sich dann als lernbereiter, als aufnahmefähiger und auch motivierter. Was aber auch heißt: Als angepasster und braver.

Es ist vermutlich wie mit jeder Droge: Potenzial und Gefährdung halten sich, was die Bewusstseinsfunktionen angeht, in etwa die Waage, und so ist es eine Sache des Wägens, ob man eine Droge nimmt oder verordnet, oder eben nicht. Hinweise darauf, dass etwa ein Drittel erwachsener PatientInnen nur ungenügend auf Ritalin anspricht und einer medikamentösen Kombinationstherapie bedarf (Krause et.al. 2005), verweisen allerdings darauf, dass die Kritiker recht haben könnten und eine alleinige Verordnung von Ritalin dort, wo sich das Symptomenbild gerundet und eingelebt hat, in der Tat nicht genügt.

Die Diskussion einer Arznei wäre unvollständig, wenn nicht auch die Gefahren benannt würden. Gibt es solche auch bei Ritalin? Nun, neben der Möglichkeit, einem Kind sein elementares Erleben kosmetisch zu verkleistern, gibt es zum Beispiel die Erfahrung, dass ein Zuviel an Ritalin die Ursprungsproblematik noch verschärft (ein Problem, das wir in anderer Form von den Tranquilizern kennen).Und dann ist da noch eine Sorge, die, ihrer Tragweite wegen, ganz sicher nicht unter den Teppich gekehrt werden darf.

Vor einigen Jahren nämlich wies der Hirnforscher Gerald Hüther (2001) auf die Gefahr einer Begünstigung späterer Parkinson-Erkrankungen durch die Einnahme von Methylphenidat (= Ritalin) hin. In einer  Flut von teils empörten, teils kühl zurückweisenden Reaktionen zeigte sich, dass es für die bloße Auseinandersetzung mit den möglichen Folgeschäden einer Ritalin-Behandlung keinen wirklichen Raum gab (vgl hierzu etwa Bühring 2005).

Warum dies wenig souveräne, wohl kaum an wissenschaftlichen Gepflogenheiten erinnernde Zurückweisen? Mich erinnert es fatal an die jahrelange Leugnung der Risiken neuroleptischer Behandlungen, wie wir sie so oft gehört haben – und von der wir heute, konfrontiert mit vielen PatientInnen, die unter eben diesen Folgeschäden leiden, wissen, dass sie falsch war und einfach nur jenem common sense entsprach, der sich in den Wissenschaften so oft irrt.

Seite 9 von 14    « .. 8 | 9 | 10 | 11 .. » 14

   
 

-:_e6bc8e8ac9cc833555e9d32077397c5a_:-FOOTMESSAGE}