Hauptmenü
icon_home.gif Home
page_white_text.gif Hypnose
page_white_text.gif Therapie
tree-T.gif  Panikattacken
tree-T.gif  Schmerz-Erkrankungen
tree-T.gif  Psychol. Krebstherapie
tree-L.gif  Alptraum Therapie
page_white_text.gif Bausteine
tree-T.gif  Metaphern
tree-T.gif  Hypno Coaching
tree-L.gif  Bilder
page_white_text.gif Studien
tree-T.gif  Hypnotherapie d. Schizophr.
tree-T.gif  Markenname & Suggestion
tree-L.gif  Kunstschmerztherapie
page_white_text.gif Edition
page_white_text.gif Seminare
tree-T.gif  Seminar-Beschreibungen
tree-T.gif  Nachlesen
tree-L.gif  Referenten
page_white_text.gif Links
icon_community.gif Kontakt

AD(H)S

Seite 4 von 14    « .. 3 | 4 | 5 | 6 .. » 14

IV. Ein früher Psychiater

Den meisten von uns ist das AD(H)S-Kind in erster Linie aus dem Comic eines Psychiaters bekannt, aus Heinrich Hoffmanns „Struwwelpeter“ nämlich. Nun war Hoffmann alles andere als ein Kindertherapeut, vielmehr leitete er die Frankfurter Irrenanstalt. Interessant daher, dass Hoffmann heute mitunter als „Kinderarzt“ bezeichnet wird (bei Schmela 2004 etwa), was er nicht war. Hätte Hoffmann selbst einen Image-Berater bemüht, er hätte über sich selbst keine bessere Suggestion verbreiten können. Er erscheint nämlich so als kindnäher und in seiner Skizzierung des Phänomens bedeutender, als er bei näherem Hinsehen tatsächlich ist.

Das Erscheinungsjahr des „Struwwelpeter“ in seiner endgültigen Fassung, 1847, war für die Psychiatrie kein bedeutendes Jahr. Psychiatrie? Wir sollten, dem Jargon der Zeit entsprechend, doch besser bei dem Wort bleiben, das wir eben verwandten, „Irrenanstalt“ nämlich, denn das, was wir als wissenschaftliche Psychiatrie kennen, wird erst Jahrzehnte später entstehen (Kraepelins „Lehrbuch der Psychiatrie“ erschien 1883), und es ist im „Struwwelpeter“-Jahr auch gerade erst ein halbes Jahrhundert her, dass man Geisteskranken keine Ketten mehr anlegt (jedenfalls keine sichtbaren).

Was bedeutet es nun, wenn ein Irrenarzt uns Cartoons schenkt über so heikle Kinder wie Phillipp, der am Tisch ruckelt oder Hans, der in die Wolken guckt? Nun, zunächst einmal bedeutet es, dass man ein Phänomen bereits lange kannte, das erst heute umfassende Aufmerksamkeit bekommt, was der Idee einer „Modediagnose“ ebenso zu widersprechen scheint wie der manchmal zu hörenden Vermutung, AD(H)S sei als modernes Phänomen die Folge von Fehlernährung oder medialer Überstimulation.

Es bedeutet aber noch mehr. Denn tatsächlich ist der „Zappelphillipp“, wie Hoffmann ihn darstellt, ebenso wie sein Gegenstück, der „Hans-guck-in-die-Luft“ (freud’sche Fehlleistung – ich habe „Hans-guck-in-die-Lust“ geschrieben und damit bereits etwas vorweggenommen) keineswegs ein leidendes Wesen, nicht bedauernswerter Symptomträger, sondern vielmehr Problemkind, eine Nervensäge, ungezogen. Er „will“ nicht „still bei Tische sitzen“, und das Desaster, das dann folgt, ist ganz klar von ihm verursacht. Im Lesenden ruft er eher Antipathie hervor als solidarisches Mitempfinden, und diese Wirkung war wohl beabsichtigt (wie ja überhaupt die ungezogenen Kinder bei Hoffmann Störende sind, denen die hässlichen Folgen dann ganz recht geschehen).

Seite 4 von 14    « .. 3 | 4 | 5 | 6 .. » 14

   
 

-:_e6bc8e8ac9cc833555e9d32077397c5a_:-FOOTMESSAGE}