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AD(H)S

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XIII. Autonome und therapeutische Trancen

Folgt man dem amerikanischen Hypnotherapeuten Ernest Rossi, so bildet sich die Fähigkeit, Trancen zu erleben, als Folge eines Reorganisationsbedürfnisses heraus, das bereits im kleinen Kind zu erkennen ist. Die Notwendigkeit, das im Außen Erlebte im Innen wieder zu ordnen bringt nach Rossis Ansicht zyklisch wiederkehrende Verinnerlichungen hervor, die im Normalfall als Müdigkeit, Weghören, vermehrte Introspektion oder eben als Tagträumen erkennbar werden (vgl. hierzu ausführlich Milzner 2005).

Normalerweise wird man, wenn ein Kind so in sich versinkt, erleben, dass irgendwer vor seinen Augen zu fuchteln beginnt und „Träumerle!“ sagt. Ich denke, hiermit verhindert man einen wesentlichen Prozess des inneren Sich-Ordnens, der später von großer Bedeutung ist. Und so sind in einer Hypnotherapie die Trancen des Träumens und Tobens auch wesentlicher, als etwa Zeitmanagement zu trainieren oder Impulse auf später zu verschieben.

Gewiss, es gibt wichtige Dinge wie die Hausaufgaben, die zu erledigen ein Kind aber leichter in der Lage sein mag, wenn es seinem inneren Rhythmus folgt. Suggestive Unterstützung braucht es, um seine Aufmerksamkeit von den Bildwelten des Außen abzuziehen, so dass es sich denen zuwenden kann, die in seinem eigenen Gehirn entstehen.

Selbstkontrolltechniken allein werden einen Gesundungseffekt kaum haben; so wenig, wie nur je eine Kontrolle für sich genommen zu mehr Gesundheit beitrug.  Seit einigen Jahren behandle ich eine Reihe von Störungsbildern unter der Prämisse, dass ein vernetztes System wie das Gehirn in sich selber Reize erzeugen kann, die eine individuelle Entwicklung voran treiben und zugleich in der Kultur (die ja in gewisser Weise ein Netz der Netze ist, mit einem durchaus eigenen Unbewussten) Zeichen setzen, die dann auf eine umfassende Veränderung hinwirken. Solche Reize sind insbesondere die seit den 80er Jahren ins Gewaltige gestiegene Zahl von Schmerzleidenden, die auf Medikation nur unzureichend ansprechen und auf eine allzu hedonistische Grundhaltung in unserer Kultur hinweisen, der Tinnitus, der vom Außen entfernt und der Überstimuliertheit einen unüberhörbaren Eigenreiz entgegen stellt, sowie eben AD(H)S.

Ich habe dieser Gedankenverknüpfung den Namen „Selbstreizungs-Theorie“ gegeben, und  es ist ein Teil dieser Theorie, dass die individuelle Behandlung ohne die kulturelle Perspektive eine Fehlentwicklung darstellt, ähnlich wie die Behandlung von Hysterikerinnen zu Freuds Zeiten ohne die dazugehörige Freud’sche Kulturkritik, die ja langfristig die verklammernde Sexualmoral nachhaltig veränderte, eine therapeutische Grobheit bedeutet. Und so denke ich, dass AD(H)S schwer gut behandelbar ist, wenn man nicht aufmerksam bleibt gegenüber den wachsenen Passungsmechanismen unserer gegenwärtigen Kultur, die auch unter schönen Bezeichungen – „Frühförderung“ – doch immer stärker eingreift in das kindliche Erleben.

Abschließend daher noch ein paar Überlegungen, die das spezifisch Kindliche am AD(H)S-Leiden in Absetzung zur Erwachsenen-Kultur betreffen. Ich denke, wenn eine Therapie bei AD(H)S gelingt, dann wird auch der Raum, den das Umfeld gewährt, weiter werden. Zugleich werden die eigenen Vorstellungen der Erziehenden zum Thema werden, und es entsteht eine Notwendigkeit, sich hinsichtlich des kindlichen Gesundens am Kind selber zu orientieren. Dies ist nicht einfach – zumal, wie gesagt, in unserer Lebenswelt alle Passungsmechanismen mit Ängsten einher gehen.

Nun ist der sicherste Weg, Ängste auszuhalten, der, gut haltende Strukturen anzubieten. Wenn der schon zitierte Hirnforscher Gerald Hüther Recht hat, dann ist die gesunde Ausformung der Strukturen im frontalen Kortex, jener Zone also, die im Zusammenhang mit AD(H)S immer wieder benannt wird,  beim Kind nur möglich, wenn es sich in sicheren Gefühlsbindungen weiß. Diese wird in einer Therapie ebenso wichtig sein, wie sie es in einer Familie von je ist. Von dieser haltenden Struktur ausgehend aber ist es dann die Freiheit, den eigenen Vorstellungen zu folgen, welche heilt.

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